SELBSTRAUM: Ein sicherer Raum um uns als Menschen ohne die Masken der Gesellschaft zu betrachten. Ich mache den ersten Schritt und zeige Dir wer ich bin. Vielleicht kann ich Dich motivieren es auch zu versuchen...

Sonntag, 14. November 2010

Meine Bondingerfahrung - Entwicklung

Inzwischen sind schon einige Wochen vergangen und ich habe wieder Fortschritte gemacht. Manche davon würde ich auch direkt mit meiner Bondingerfahrung zusammenhängend sehen und möchte sie hier aufführen.

- Entscheidungen: ich habe mich lange mit B. an dem Wochenende unterhalten, über das Entscheiden und die Schwierigkeiten die manche Menschen damit haben. Sie erzählte mir einen Traum und uns beiden wurde mal wieder klar, dass es auch sehr erleichternd ist, wenn jemand sagen kann was er/sie will. Mir ist in der Woche nach dem Bonding aufgefallen, dass ich z.B. die Entscheidung ob ich rechts oder links an jemanden der mir entgegen kommt vorbei gehen will spontan und unbewusst treffe und es nicht mehr zu diesem Zögern und Zickzacklaufen kommt. (Wurde mir plötzlich bewusst als es sich mehrmals wiederholt hatte). Auch ist mir aufgefallen, dass ich bei Gruppenentscheidungen mal die erste oder zumindest von den ersten bin, die eine Antwort gibt. Früher war es mir immer egal und ich habe oft gar nichts gesagt. Jetzt ist es mir im Grunde auch egal, aber ich sage einfach etwas und es ist ok, selbst wenn wir dann doch wo anders hin gehen, weil jemand einen besseren Einfall hat: ich schließe mir der Mehrheit an.

- Abgrenzung: Ich merke wie ich manchmal einfach reagiere. Ich sage dann was zu jemanden dessen Meinung ich nicht mag oder ähnliches. Ich bleibe nicht mehr still und fühle mich schlecht dabei. Ich spüre meine Aggressivität und wie mein Kopf die richtigen Fragen oder Antworten parat hat. Dies habe ich auch in der Vorstellung und mit NLP immer mal wieder geübt, aber ich denke Bonding war hier auch förderlich. Aber außerdem kann ich eher sagen dass mich etwas stört oder ich enttäuscht bin ohne verletzend zu sein. Es ist einfach ehrlich. Und die ich-Botschaften kommen oft automatisch. Ich finde auch Rechtfertigungen für den Anderen wie früher und auch Gründe für meinen Ärger, die nichts mit dem Menschen zu tun hat, der Auslöser war. Dies zu kommunizieren erspart mir Konflikte und löst trotzdem Spannungen.

- Gelassenheit: ich fühle mich geliebt und angenommen, mehr als vorher. Das ist so eine Grundstimmung, d.h. ich kann es nicht an einen bestimmten Menschen ausmachen. Ich weiß, dass hierzu alle "Matten" beigetragen haben und auch das Gefühl in der Gruppe aufgehoben zu sein. Ich fühle mich nicht so schnell angegriffen (auch wenn ich spontan und Wortgewandter reagiere), ich nehme vieles gar nicht mehr persönlich und fühle mich nicht gleich wieder abgelehnt. Ich kann auch besser mit meinen Fehlern umgehen, muss mich nicht beweisen. Wenn ich etwas falsch mache, lerne ich einfach dazu. Ich kann auch mit den Fehlern anderer besser umgehen.

- Unterordnung/Überheblichkeit: mein Problem mit Autoritäten hat sich auch sehr verändert. Ich stelle manchmal trotzdem noch Fragen um zu wissen wo sie stehen und nicht um wirklich eine sachliche Information zu bekommen, aber nicht aus einer Überheblichkeit heraus, es fühlt sich zumindest ganz anders an. Ich versuche den Platz in der Gruppe zu bewahren und niemanden die Leitung streitig zu machen, aber ohne mich wirklich unterordnen zu müssen aus Angst vor Repressalien der übergeordneten Personen. Manchmal bin ich auch in der Lage Kritik anzubringen, was ich dann aber möglichst im Zweiergespräch mache. Und manchmal kann ich auch in der Gruppe einen Beitrag leisten, den ich mir früher nicht getraut hätte.

- Lebendigkeit: tatsächlich ist es das was mich am meisten auffällt. Ich bin mehr da, mehr präsent. Ich gucke den Leuten in die Augen und lasse mich sehen. Ich biete Paroli. Ich berühre und fühle die Menschen viel intensiver. Ich bin immer noch vorsichtig, ich möchte keine Grenzen überschreiten, aber manchmal bewege ich mich an der Grenze und rüttle vielleicht auch mal daran, aber nur um den anderen zu zeigen, dass es ok ist auch mal mehr zuzulassen. D.h. ich hinterfrage eher etwas, ohne den anderen damit verletzen zu wollen und mir ist immer sehr wichtig dabei meine Wertschätzung und Verständnis zum Ausdruck zu bringen. Oder ich berühre jemanden, einfach so, weil mir danach ist. Und es wurde bisher nicht abgelehnt. Ich bin vorsichtig, so wie immer, aber nicht mehr so ängstlich dem anderen zu nahe zu kommen. Ich glaube früher war ich manchmal unnahbar, nicht greifbar, viel zu sehr im "Kopf". Jetzt bin ich überall!!! :o)

Sonntag, 7. November 2010

Zukünftige Einträge

Nur damit ich es selbst nicht vergesse und um andere neugierig zu machen... hier meine nächsten Ideen:
- Meine Gummiband-Theorie: oder wie Veränderung nicht funktionieren kann
- Angst vs. Mut (schon angefangen)
- Übung 1: lernen Entscheidungen einfacher zu treffen (schon angefangen)
- Bondingtherapie: was danach passierte

Oh(n)Macht

Wie sehr liebe ich es
der Grund für Deine Gänsehaut zu sein
der Grund für Dein Lächeln
der Grund für Deinen Säuftzer


Wie sehr liebe ich es
der Grund für Deine Erregung zu sein
für Deine Begeisterung oder für erwartungsvolle Spannung


Wie sehr liebe ich es
Dir dabei zuzugucken wenn Du tief Lusft holst
Wie sehr liebe ich es
Dich glücklich zu sehen...

...so sehr, dass ich die Vorstellung schon nicht verkraften kann
Dich ärgern zu können, oder traurig zu machen.
...so sehr, dass mein Verantwortungsgefühl und meine Angst
Dich zu verletzen
zu groß ist um bei Dir zu bleiben.

...so sehr, dass ich nicht ertragen würde zu versagen
zu bemerken, dass ich im Grunde Ohnmächtig bin,
dass ich Dir keine Gefühle verursachen kann.

Aber ich bin weder der Grund für Dein Glück
noch der Grund für Dein Leid.
Ich bin nur ein Kathalisator
denn Deine Gefühle gehören nur Dir.

Ich kann nicht zaubern
ich kann Dir nur zugucken und Dich begleiten.
Ich kann Dein Glück und Dein Schmerz mit Dir teilen.

Aber, wenn ich zaubern könnte, glaube mir,
es würde Dir niemals schlecht gehen.

An meine geliebete Königin

Es war ein Mal eine Königin, die sehr praktisch orientiert war, sie sah sofort was zu tun war und wer was gebraucht hatte. Sie erledigte ihre eigene Arbeit immer wieder gut und schnell und delegierte an ihre Untertanen je nach Rang und Ordnung die Aufgaben die sie erledigen konnten. Die Menschen die unter ihrer Herrschaft lebten waren zufrieden und fühlten sich sicher und behütet. Jeder hatte seine Rolle und seine Arbeit.

Da wurde die Königin eines Tages krank und konnte nicht mehr alles erledigen. Sie war zu müde um sich um alles zu kümmern. Plötzlich gab es zum ersten Mal Streit und Unordnung. Keiner wusste so recht was er zu tun hatte und viele taten deshalb gar nichts. Die Königin beklagte sich, weil keiner auf die Idee kam ihr einen Tee zu machen. Wie konnte das sein? Sie selbst hatte ihnen doch immer Tee bringen lassen wenn sie krank waren. Wegen der Krankheit vergaß sie ihren Diener zu sagen, dass in der Küche Brot fehlte und als dieser ohne Brot zurück kam wurde sie wütend. Ihn aber traf keine Schuld, wie hätte er wissen sollen, dass er Brot hätte kaufen sollen? Rechtfertigte er sich mit vorsichtiger Stimme, "es tut mir Leid, aber mir hat keiner was gesagt".

Die Königin erholte sich langsam von der Krankheit, aber sie war traurig und frustriert. Ihre Untertanen waren nicht in der Lage eine Sekunde ohne sie klar zu kommen. Sie war verärgert und genervt, weil sie bemerkte, dass sich keiner um sie kümmerte und sie immer an alle und alles denken musste. Ihre Arbeit machte ihr immer weniger Spaß und immer wieder beklagte sie sich bei ihren Dienern wenn sie vergaß ihnen ganz genaue Angaben zu machen (wie früher) und diese dann ihre Aufgaben nicht zu ihrer Zufriedenheit erledigten. Die Diener wurden auch immer schlampiger und unzufriedener. Plötzlich sagte eine Dienerin "Jetzt möchte ich auch mal was entscheiden!" Und die Königin erstarrte schockiert.

Wo kämen wir den hin, wenn jeder selbstständig entscheiden würde? Was wäre dann aus der Königin, wenn alles funktionieren würde, ohne ihre Anweisungen, also ohne sie? Was bleibt einer Königin anderes übrig als seine Diener zur Abhängigkeit zu erziehen? Schließlich wäre sie keine Königin mehr wenn sie nicht ihre Funktion, ihre Rolle als Herrscherin ausüben könnte? Und was oder wer wäre sie dann?


Die traurige Königin merkte plötzlich, dass sie eine Pause bekommen hatte, weil diese kleine Dienerin auch mal entscheiden wollte. Sie hatte nun die Pause die sie sich immer gewünscht hatte, konnte damit aber nichts anfangen. Sie hatte verlernt Pause zu machen, sich zurück zu lehnen und einfach zu entspannen. Es war so schwer ihren Dienern dabei zugucken wie sie plötzlich ohne sie klar kamen. Es war so traurig zu bemerken, dass sie nicht gebraucht wurde.

Dann plötzlich kam ein kleiner Diener und sagte "Mama, ich will dass Du heute neben mich sitzt!" und da musste sie erleichtert weinen: ganz vergessen hatten sie sie doch nicht.

(An meine Mutter und an alle anderen Frauen, die mir immer wieder begegnen und mich daran erinnern wie schwer es mir fällt in ihrer Gegenwart selbstständig Entscheidungen zu treffen. Und an K. die sich in meiner Gegenwart traute ihrer Mutter zu sagen "Jetzt will ich auch mal was entscheiden!")